Wild Red № 42

Auszug aus der Kurzgeschichte

»Britannien, frohlocke, du nennst ihn dein Eigen,
vor dem Europas Bühnen sich verneigen.
Nicht einer Zeit gehört er, sondern allen Zeiten!«
(Ben Jonson, 1623)

Als Will in der Tür des Rusty Outpost erschien und die gut gefüllte Bar mit einem unverbindlich freundlichen Blick, aber unverkennbar wachen Auges auf einen freien Platz durchmusterte, wusste ich sofort, dass mir dieser Abend lange im Gedächtnis bleiben würde.
Celeste hatte mir gerade in ihrer unvergleichlichen Art mein zweites Bier derart unwirsch auf den Tisch gestellt, dass die Blume, weiß wie die Supernova eines Blauen Riesen, quer über den Tisch spritzte und mich, ohne dass ich den Krug hätte heben müssen, vom würzigen Hausbräu kosten ließ.
»Wahrscheinlich stimmt ihr Umsatz heute nicht«, dachte ich bei mir, und meine zwei Bier in einer knappen Stunde würden ihre Kasse wahrlich auch nicht heller klingeln lassen. Zumal der Ausschank schnöden Gerstensafts ja auch nicht wirklich ihr Job war und sie nur einspringen musste, weil die zickigen autonomen Bierbrunnen gerade mal wieder gehackt worden waren und alle am Tisch vom OO´Klaak festhingen, um ihm über seine fünf rosa Rüssel eine ekstatische Bierdusche zu verabreichen.

veröffentlicht in:
Das Alien tanzt im Schlaraffenland –
Schmackhafte SF und Fantastik aus einem hungrigen Universum

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Autonomie Neunenz

Auszug aus der SF-Story

Post-Climate-Fiction-Stories

„Vlada kehrte von ihrer Arbeit an den Feldern zurück. Die Brandflächen der Taiga wurden von der  neu gebildeten Gemeinschaft von Aufwuchs befreit, um Ackerland für die gemeinsame Versorgung zu gewinnen. Sie trat in ihre kleine Hütte. Vladimir fütterte Mischa mit Getreidebrei und vorgekautem rohem Fisch.
Das wunderte sie immer noch, dass ein Mann freiwillig die Haus- und Kinderarbeit mit ihr teilte. Die Jäger und Hirten der Nenzen waren Jahrtausende lang in Familienclans patriarchalisch organisiert. Das kollidierte mit den emanzipierten Strukturen der Öko-Kommune. …“

Axel Aldenhoven, selbst erfolgreicher Autor, Buchrezensent und SF-Blogger schreibt dazu:

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Eine kurze Geschichte mit Zeit

Auszug aus der Kurzgeschichte:

Letztlich bedeutete dies, dass alles, wirklich ALLES was möglich und denkbar ist, in irgendeiner dieser unzähligen Universen und deren Welten Wirklichkeit geworden ist oder werden wird.
Kurt lacht spöttisch in sich hinein. Alles wäre möglich: Der Weltfriede, die Abschaffung der Sommerzeit, ein Porsche in seiner Garage… und Greta, die ihn nicht wegen dieses leicht schwebenden, aber zugegeben sehr erfolgreichen Qigong Lehrers verlassen hat.

Möglicherweise, und wenn man den Multiversums-Fuzzis glauben darf, dann ganz sicher, gibt es also unter diesen unendlichen Möglichkeiten irgendwo einen Kosmos, in dem er nicht ein alternder, zynischer Schreiberling ist, von der Ehefrau verlassen und verstrickt in einen täglichen Kampf gegen eine Betaversion des  Mechanismus von Antikythera. Eine kurze Geschichte mit Zeit weiterlesen

Gedanken-Sklaven auf Terra

Rebellion in Sirius City – Collection of Retro Science Fiction Stories Verlag für Moderne Phantastik Gehrke, 2020

Auszug aus der Retro-Science-Fiction Story:

„… An einer dieser Schleusen war auch Mullers Weltraumclipper angedockt. Ein Aufzug brachte ihn erst von der Spitze des Hub nach “unten” in die Ringebene und dann von dort in einer der vier Speichen nach außen zu den Wohn– und Arbeitsquartieren im Ring. Die dabei wechselnden Beschleunigungsvektoren und damit das, was gemeinhin als Boden verstanden wird, verursachten trotz aller Vorbereitung Muller etwas Schwierigkeiten. Auch wieder etwas, das im 3D-Hologramm des Handbuchs klar und verständlich war, in der physischen Realität aber ungeahnte Herausforderungen mit sich brachte. Gedanken-Sklaven auf Terra weiterlesen