
„Als Kind liebte ich Schwarzbrot mit Butter und Honig. Dabei war der Honig Kunsthonig, die Butter Margarine und beides war so „echt“ wie der Kühlschrank, in dem sie lagerten – ein Wandschrank mit Belüftungsschlitzen nach außen. Für mich, den Siebenjährigen Anfang der 1960er, war das jedoch völlig normal, Standard, und es war gut.
Kunsthonig war billiger als der kostbare echte Bienenhonig, den sich die fünfköpfige Arbeiterfamilie damals nicht leisten konnte. Er war dabei einem Rapshonig visuell sehr ähnlich und schmeckte dank beigefügter Aromastoffe durchaus wie Bienenhonig – zumindest für den ewig hungrigen Straßenjungen, der es zu seiner Zeit nicht anders kannte.
Wissenschaftlich betrachtet ist der Honigersatz aromatisierte, invertierte Saccharose, eine zähe Masse, die damals als Würfel verkauft und bei uns zu Hause in ein Schraubglas umgefüllt wurde …“
Weiter in der Frühjahrsausgabe der „PalatinArt – Magazin für Kunst und Kultur“ (Erscheinungsdatum April 2025)
Die schön gestaltete und inhaltlich vielfältige Ausgabe lädt mit dem Schwerpunktthema „Idylle – Paradiesgarten“ auf 128 reich bebilderten Seiten zu einer literarischen, lyrischen und künstlerischen Reise in imaginäre Paradiese ein – darunter mein Essay „Künstliches Schlaraffenland zwischen Not und Neuzeit“ und meine Collage „Das synthetische Paradies“.
Das Magazin ist im Buchhandel für 10 Euro pro Ausgabe erhältlich und wird vom Verlag im Jahresabonnement für 20 Euro frei Haus geliefert.
